Forming, Storming, Norming, Performing, Re-Forming, Adjourning ›› Gruppenphasen nach Tuckman
Zusammenarbeit Kommunikation & Fragen Forming, Storming, Norming und Performing, Gruppenphasen nach Bruce Wayne Tuckman Ein erster Überblick Wer sich einen kurzen Überblick über den Verlauf der Gruppenphasen Forming, Storming, Norming, Performing machen möchte, ist in diesem Kapitel richtig. Weiter unten gibt es dann Details zu den jeweiligen Phasen. Dieser Ablauf wird auch als Teamuhr bezeichnet, welche anzeigt, in welcher Gruppenphase sich die Gruppenmitglieder befinden. 1977 fügte er mit Mary Ann C. Jensen die Gruppenphase Adjourning mit dazu. Diese wird weiter unten erläutert. Wer war Bruce Wayne Tuckman? Bruce Wayne Tuckman wurde 1938 in New York (USA) geboren und war ein US-amerikanischer Psychologe, Organisationsberater und Hochschullehrer an der Ohio State University Seinen Bachelor of Science erwarb er 1960 am Renesselaer Polytechnic Institue . 2 Jahre später den Master of Arts Psychology, ein Jahr später den Ph. D. Psychology. Beides an der Princeton University Von 1983 bis 1998 war er Professor für Educational Psychology an der Floria State University . Er leitet das Akademische Lernlabor der Ohio State University. Ein Hinweis zur Orientierung Die einzelnen Gruppenphasen treten in der Praxis nicht in Reinkultur auf. Oft sind Elemente aus den Gruppenphasen vermischt . So gibt es im Forming kurze Sequenzen des Stormings, Normings und Performings. Gruppendynamik ist nicht vorhersehbar oder planbar. Die Vereinbarung des Gruppenzielvertrags im Forming ist Performing . Zugleich liefert dies Themen für das Storming. Denn nicht jedes Ziel wird umgesetzt. Teamentwicklung begleitet Gruppen und Teams auf ihrem Weg zu Performing. Zur Orientierung stelle ich die Phasen getrennt dar. Wohlwissend, dass dies in der Praxis selten der Fall ist. Ein Ablauf der Phasen ist nicht planbar, gibt jedoch Orientierung im Sturm der Gruppendynamik. Die Gruppenphasen nach Bruce Wayne Tuckman Im Folgenden werden die Phasen Forming, Storming, Norming, Performing, Re-Forming (Reforming) und Adjourning und sogar Mourning genauer erläutert. Forming Was ist Forming? Die erste Gruppenphase nennt Tuckman: Forming. In dieser Phase treten die Akteure erstmalig in einen Austausch. Ein Interaktionsraum entsteht. Die meisten Akteure kennen sich nicht. Sie wissen nicht um die Ziele der anderen. Die Unsicherheit ist groß. Keiner weiß, was ihn erwartet – und was von ihm erwartet wird. Niklas Luhmann nennt dies ›geringe Erwartungssicherheit‹. Andere nennen dies die Orientierungsphase Das Dilemma : Jeder geht in die Interaktion, ohne zu wissen, wie er das tun soll. Wie soll er sich ›richtig‹ verhalten, wenn er nicht weiß, was in dieser Gruppe ›richtig‹ ist? Unausgesprochene Fragen der Akteure Zu Beginn beherrschen vier Grundfragen die Situation: Wer sind die anderen Akteure? Wer ist wem nah oder verbunden? Wer ist „attraktiv“ in der Gruppe » Beziehungsebene Werde ich dazugehören? » Gruppenebene, Zugehörigkeitsebene Wer hat Macht? Was ist machbar? Wer definiert hier wen und was? ›› Machtebene Welche Normen, Regeln, Strukturen und Ziele gelten hier? Worum geht es hier offiziell? » Sachebene Wer wird hier welche Interessen vertreten? Wer nimmt hier welche Rolle ein? Welche Methoden kommen zum Einsatz, um die Gruppe zu leiten? Wer ist der Leiter ? Wer übernimmt die Leitung der Gruppe? Wer versucht die Leitung an sich zu reißen? Nach Friedemann Schulz von Thun bestimmen folgende Fragen das Geschehen: Warum (vor dem Hintergrund welcher Vorgeschichte) und wozu (mit welcher Zielrichtung) kommen ausgerechnet wir (in dieser besonderen Zusammensetzung der Rollen und Personen) ausgerechnet heute (und nicht gestern oder morgen) zu diesen Aufgaben und Themen (in dieser Reihenfolge und mit diesem Zeitbudget) zusammen? Gleichabständiges Abtasten Zur Klärung dieser Fragen findet ein gleichabständiges Abtasten statt. Jeder ist bemüht, mit den anderen gut in Kontakt zu kommen. Konflikte und Unterschiede blenden die Akteure aus. Statt dessen übt sich jeder in Small Talk. Gleichabständigkeit »Man ist darum bemüht, mit allen gleich gut zu können und sich nicht durch vorschnelle Sympathie- und Antipathiekundgebungen in Schwierigkeiten zu bringen.« Eberhard Stahl Tweet Meist bewegen sich die Akteure zwischen Neugier und Vorsicht (Angst vor Ausschluss, Fehlern). Anspannung und Unsicherheit sind im Raum spürbar. Gleichzeitig kann diese Spannung kaum abgebaut werden, da die Regeln hierfür nicht bekannt sind. Dies steigert die Nervosität der Akteure Es ist nicht klar, welche Fragen erlaubt sind. Deshalb sprechen die Teilnehmer manche Themen nicht an. Ein idealer Nährboden über Projektionen und Übertragungen. Jeder beobachtet die Gruppe und wird von den Mitspielern beobachtet. Wechselseitig weist man sich Rollen und Eigenschaften zu. Aus den Interaktionen und Beobachtungen konstruieren sich alle ihr Bild über die Mitspieler und die Gruppe. Konkrete Fragen der Akteure Die konstruierten Antworten umfassen folgende Fragen (in Klammer die entsprechenden Ebenen). Was tun wir hier? (Sinn) Was gelte ich hier? (Akzeptanz) Wer darf hier was? (Verhalten) Wir hier geduzt oder gesiezt? (Kommunikation) Welche Fähigkeiten von mir braucht die Gruppe? (Fähigkeiten) Welche Informationen will die Gruppe haben, welche nicht? (Information) Wer wird hier das Sagen haben? (Beziehung und Macht) Welche Gefühle sind hier erlaubt, welche nicht? (Gefühle) Werde muss ich tun, um dazu zugehören? (Zugehörigkeit) Kann ich den anderen Vertrauen? (Sicherheit und Vertrauen) Wer entscheidet über Pausen? (Orientierung und Struktur) Wer gehört alles zur Gruppe, wer nicht? (Grenzen) Pseudo-Sicherheit Jeder konstruiert sich die anderen Akteure. Gleichzeitig ist sich jeder bewusst, dass er von den anderen ebenfalls konstruiert wird. Auf der einen Seite möchte jeder ›in seinem Sinne‹ wahrgenommen werden. Auf der anderen Seite gilt es die › erwarteten Erwartungen ‹ der anderen zu berücksichtigen. Jede Angriffsfläche wird vermieden. Jeder möchte Sicherheit ausstrahlen. Im Scheine dieser Pseudo-Sicherheit fühlt er sich höchst unsicher. Fokus im Forming In dieser Phase liegt der Fokus auf den Gemeinsamkeiten . Die Akteure suchen die Verbindungen untereinander. Jeder wünscht sich festen Untergrund, um Sicherheit zu gewinnen. Bemüht sich um Verbündete, damit Vertrauen entsteht. Das Ergebnis ist ein Gruppenzielpool . Die Grenzen nach Außen sind geklärt. Die Regeln in der Gruppe bekannt. Gemeinsamkeiten im Fokus Anzeichen für den Abschluss des Formings Das Ziel des Formings besteht in der Arbeitsfähigkeit der Gruppe. Die Akteure sind angekommen, die Rollen (vorerst) geklärt. Die Gruppe hat ihre Struktur gefunden. Jeder hat ein ausreichendes Maß an Vertrauen an die Mitspieler und fühlt sich hinreichend zugehörig. Die drei Grundfragen sind hinreichend geklärt. Anzeichen dafür sind: Appele der Akteure anzufangen Akteure zeigen mehr Individualität Konflikte deuten sich an Nutzen für die Praxis Intuitiv kennt es jeder, doch Bruce Tuckman hat es mit dem Begriff auf den Punkt gebracht. Der wirksame Umgang mit der Unsicherheit der Akteure entscheidet über den Erfolg der Gruppe. Das Forming wird dabei nicht nur zu Beginn durchlaufen. Sondern findet immer wieder in die Gruppe statt. neue Teammitglieder geänderte Ziele unbekannte Führungskraft Aus meiner Sicht ist die Beherrschung dieser Phase eine Voraussetzung für wirksame Gruppen Teamentwicklung ist Maßarbeit! Seit vielen Jahren unterstütze ich Teams, Gruppen und Abteilungen in ihrer Teamentwicklung. Abseits von Standardmethoden, weil Teamentwicklung Maßarbeit ist. Mehr erfahren Storming Was ist Storming? Im Forming stand das Wir im Fokus . Es wurden Gemeinsamkeiten gepflegt und Konventionen vereinbart. Die Abgrenzung nach Außen fand statt. Die Akteure fühlen sich sicher und zugehörig. Das Storming kann starten. Im Storming geht es um die offene Kommunikation des Konfliktpotenzials in der Gruppe. Es gilt aus dem Wir herauszutreten und sich als Person vom Wir abzugrenzen. Es gilt zu zeigen: Wer bin ich? Wofür stehe ich? Wenn jeder Akteur sein Ich einbringt, wird wahrhafte Begegnung möglich. Storming in der Praxis Das Storming entscheidet über die Wirksamkeit einer Gruppe. Ein offenes und respektvolles Storming ist das beste Fundament. Hier entscheidet sich, ob sich die Akteure mit der Gruppe identifizieren. Ob sich aus den vielen Ichs ein Wir formt. Im Konflikt werden Bündnisse sichtbar. Koalitionen bilden sich. Versteckte Störungen zeigen sich und können besprochen werden. Klarheit durchzieht die Gruppe. Die ›Wahrheit der Situation‹ manifestiert sich. Dabei steht nicht im Vordergrund, wer recht hat. Sondern die Frage eines jeden Akteurs, ob er sich gesehen, angenommen und respektiert fühlt. Darf er so sein, wie er ist? Gilt er etwas? Macht er für die Gruppe einen Unterschied – oder ist es egal, ob er mit dabei ist? Wer den Eindruck gewinnt, dass er keinen Unterschied macht, zieht sich zurück. Er identifiziert sich weniger mit der Gruppe. Er bringt sich weniger ein. Wer sich gesehen fühlt, ist in der Lage tragfähige Beziehung zu knüpfen. Basis für Identifikation Im Storming besteht für die Akteure die Möglichkeit, sich zu zeigen. Wer sich zeigt, kann gesehen werden . Je mehr sich jemand in der Gruppe in seinem So-Sein angenommen fühlt, desto höher ist seine Identifikation mit der Gruppe. Desto größer ist für ihn die Attraktivität der Gruppe. Im Storming liegt die Wurzel des Gruppenzusammenhalts. Fragen im Storming Die Fragen der Akteure prägen das Storming. Meist sind diese nur zwischen den Zeilen erkennbar. Sie betreffen das Thema, die Beziehungen und die Gruppe. Eine kleine Auswahl: Wer verfolgt welche inhaltlichen Ziele? Auf welchen Wegen? Wer lehnt welche Ziele oder Wege ab? Wer will/kann gut mit wem? Wer stört sich an wem? Wer setzt oder bricht welche Regeln? Wem wird mehr inhaltlicher, zwischenmenschlicher Einfluss gewährt? Wie reagieren die anderen auf meine Wortbeiträge? Jede Stimme in die Kommunikation In dieser Phase braucht es im Dialog jede Stimme . Stille Akteure möge